Einleitung – Eine afrozentrische Wirtschaftsanalyse

Titelbild: Löwe in Tanzania, Foto von Amar Yashlaha

Wer oder was ist „Äthiopien“? Was soll diese Arbeit bezwecken? Was ist eine afrikanische Perspektive?

Diese Arbeit soll Äthiopien, eine hierzulande kaum beachtete Nation, ins Zentrum einer ökonomischen (sowie politischen und gesellschaftlichen) Analyse stellen und so aus der Subalternität in den Fokus setzen. Äthiopien wird meist nur als „typisches, armes, afrikanisches Land in der Bedeutungslosigkeit“ gesehen – eine Bewertung, die diesem Land (wie auch keinem anderen) nicht gerecht wird.

Wirtschaftliche Betrachtungen afrikanischer Länder fokussieren meist zusammenhanglos auf die Armut im Land oder berichten über einzelne Hilfsprojekte internationaler Nichtregierungsorganisationen, mit denen „armen, ausgehungerten Afrikanerngeholfen wird – diese sind selbstverständlich allesamt wichtig und sollen hier keineswegs kritisiert werden. Allen gemein ist jedoch, dass sie das Bild eines armen, hilflosen Landes in der Subalternität nur unterstreichen: Kaum ein Artikel, der nicht „Armut“ im Titel trägt.

In diesem eher negativen und durchaus einseitigen Medienbild findet eine fundierte und ganzheitliche Betrachtung Äthiopiens (sowie anderer afrikanischer Länder) kaum statt. Der Stempel „armes Afrika“ ist allgegenwärtig. Wir wollen hier Äthiopien in den Fokus setzen und dafür eine dem Land eigene Perspektive einnehmen: Äthiopien als einziges, nie kolonialisiertes Land Afrikas – stolz und eigen.

Um diesen Aspekt hervorzuheben, werden wir zuerst die Wirtschaftsleistung afrikanischer Länder tabellarisch darstellen und kommentieren und anschließend mit ihrer Kolonialgeschichte kontextualisieren. Dann werden wir Äthiopien mit Kenia vergleichen und anschließend Äthiopien selbst ökonomisch analysieren. Schließlich soll diese Arbeit mit einem Ausblick auf Äthiopiens Zukunft enden.

Im Rahmen unserer Forschung möchten wir so eine afrikanische Perspektive einnehmen und Äthiopien ungeachtet der geringen medialen Relevanz hierzulande ernst nehmen. Denn Fakt ist: Äthiopien ist arm. Äthiopien hungert. Menschen sterben. Korruption ist ein großes ProblemWir wollen diese Fakten nicht schönigen. Der Unterschied soll hier in der Kontextualisierung mit gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen Faktoren bestehen – in der Darstellung im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern und der Einbeziehung persönlicher Erfahrungen soll ein umfassenderes, greifbares Bild Äthiopiens vermittelt werden.

Äthiopien ist nicht NUR arm. Äthiopien hungert nicht NUR. In Äthiopien sterben nicht NUR Menschen. In Äthiopien gibt es nicht NUR Korruption.

Letztlich soll dem Leser die Möglichkeit gebeten werden, Äthiopien über diese ganzheitliche Betrachtung im Rahmen einer Wirtschaftsanalyse als „echtes“ Land wahrzunehmen.

Die Daten der Blogeinträge – zurückdatiert auf Ende der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts – sollen dabei auf die Periode der anstehenden Unabhängigkeitserklärungen zahlreicher afrikanischer Staaten anspielen.

Wüste in Afrika
Wüste (Foto: Oday Hazeem)

Diese Projektarbeit wird im Rahmen des Seminars „Afrozentrismus und Asiazentrismus“ im Sommersemester 2016 im Studiengang Regionalwissenschaften Asien/Afrika an der Humboldt-Universität zu Berlin unter Betreuung von Stefan Hoffmann, M.A. angefertigt. Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich.

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